Samstag
18.00 Uhr
Kirche St. Martin | Siersburg
Tickets: 20 €
Mit dem Vokalensemble’83-Saarbrücken
unter der Leitung von Bernhard Leonardy
Bettina Bauer Sopran, Clara-Sophie Bertram Alt,
Mykola Avdieiev Tenor, Markus Jaursch Bass
Daria Chaikovska & Veronika Atamanenko Klavier (vierhändig)
Bona Lee Konzertharmonium
Florence Price »Abraham Lincoln Walks at Midnight«
Erstaufführung dieses Werkes im deutschsprachigen Raum
Ludwig van Beethoven Messe C-Dur op. 86
Europäische Erstaufführung in der Fassung für Klavier und Harmonium von Michael Ostrzyg
Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass das Vokalensemble’83-Saarbrücken jährlich auf der Bühne der Musikfestspiele steht – und dass es jedes Jahr ein ganz besonderes Programm zusammenstellt. Unvergessen bleibt die Liszt-Fassung von Beethovens Neunter Sinfonie oder im letzten Jahr das Chorkonzert zusammen mit einer Tänzerin.
In diesem Jahr stehen eine Komponistin und ein Komponist auf dem Programm, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Florence Price, eine 1887 geborene afroamerikanische Komponistin, und Ludwig van Beethoven. Doch beide verbindet eine gemeinsame Grundhaltung in vielen ihrer Werke: Die Suche nach moralischer Orientierung in einer unruhigen Zeit. Florence Prices Orchesterwerk »Abraham Lincoln Walks at Midnight« (1931) ist eine musikalische Meditation über Verantwortung, Zweifel und moralische Wachsamkeit. Inspiriert von einem Gedicht Vachel Lindsays zeigt Price die Figur Abraham Lincolns nicht als triumphalen Helden, sondern als ruhelosen Geist, der in der Nacht über die ungelösten Fragen der Menschheit nachdenkt: Krieg und Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit.
Einen scheinbaren Kontrast bildet dazu Ludwig van Beethovens Messe in C-Dur op. 86, die in einer Fassung für Klavier und Harmonium von Michael Ostrzyg nach der Uraufführung im Februar 2026 in Harvard nun als Deutsche Erstaufführung bei den Musikfestspielen erklingt.
Die Messe C-Dur ist weniger eine repräsentative Kirchenmusik als vielmehr ein zutiefst persönliches Glaubensbekenntnis. Beethoven versteht die Messe nicht als dogmatische Verkündigung, sondern als menschliche Annäherung an das Göttliche.
Während Florence Price diese Suche nach Orientierung in eine säkulare, historisch geprägte Bildsprache kleidet, formuliert Beethoven sie in der univer- sellen Sprache der Liturgie. Nacht und Licht, Zweifel und Vertrauen, Verantwortung und Hoffnung treten in einen musikalischen Dialog.